Verhaltensauffälligkeiten beim Hund – ist das eine reine Frage der Erziehung?

Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum ich als Tierheilpraktikerin über die Hundeerziehung spreche. Sie haben recht, ich bin keine Hundetrainerin, stehe aber in engem Kontakt zu Hundetrainern. Denn manchmal gilt es bei Verhaltensauffälligkeiten zu klären, ob es eine Erziehungsfrage ist oder ob eine körperliche Ursache vorliegt. Die Ernährung spielt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle und da sind wir wieder in einem meiner Fachgebiete.

Nein – Auffälligkeiten sind nicht immer eine Frage der Erziehung!

Grundgehorsam

Für das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund bedarf es einiger Regeln. Ich denke auch, dass ein Hund einen Grundgehorsam haben sollte. Damit meine ich nicht, dass er alles perfekt beherrschen muss, aber eben die Basics beherrschen und Sie als Besitzer respektieren sollte. Hierbei hilft Ihnen entweder der örtliche Hundesportverein oder auch ein kompetenter Hundetrainer.
Übrigens bieten manche Haftpflichtversicherungen einen Nachlass bei den Beiträgen an, wenn Sie eine Begleithundeprüfung abgelegt haben. Hier geht es um die Gundkommandos wie Sitz, Platz, Fuss, Bleib. Ein Hund sollte sich auch zuverlässig abrufen lassen und Tabuwörter wie Nein oder Aus kennen.

In meiner Tierheilpraxis, aber auch bei den Spaziergängen mit meinem Hund erlebe ich oftmals Hunde, die außer Rand und Band sind. Sie gehorchen nicht, sind teilweise aggressiv oder rennen wild und unkontrolliert durch die Gegend. Mein Hund ist sehr unsicher und zeigt Leinenaggression, wenn unser Gegenüber unsere Individualdistanz nicht einhält. Daher sollte aus Sicherheitsgründen ein Hund nur ab geleint werden, wenn er auch zuverlässig abrufbar ist.

Verhaltensauffälligkeiten

Ich bekomme immer wieder Hunde von Hundetrainern in die Tierheilpraxis überwiesen, die trotz Training weiterhin auffällig sind. Hier wird dann die Ernährung überprüft und soweit das möglich ist, Blut abgenommen. Leider sind diese Hunde oftmals nicht von Besitzer handlebar, so dass ich diese Hunde zum Tierarzt für die Blutentnahme überweisen muss, da dort ausgebildetes Fachpersonal für die gefahrlose Fixierung des Hundes zur Verfügung steht.

Falsche Ernährung oder Erkrankungen können die Ursache für Verhaltensauffälligkeiten sein. Gerade mit Schilddrüsenerkrankungen ist nicht zu spaßen. Das Hormonsystem hat einen großen Einfluss auf das Verhalten. Ein guter Hundetrainer kann nach kurzer Zeit einschätzen, ob die Probleme hausgemacht sind oder ein körperliches Problem vorliegen könnte. Denn während des Trainings wird sich schnell zeigen, ob die Mensch-Hund-Beziehung im argen liegt. Ist das nicht der Fall, macht es Sinn weiter zu suchen.

Die Ernährung des Hundes

Zucker und übermäßig viel Getreide haben je nach Hund einen negativen Einfluss auf das Verhalten des Hundes. Wird dem Hund viel Energie zugeführt und der Hund kann diese nicht durch ausreichende Bewegung abbauen, wird es zu Hyperaktivität und gar aggressivem Verhalten kommen. Natürlich ist es wichtig einen Hund auszulasten. Es ist aber auch wichtig, die Fütterung anzupassen.
Ich rate zu einem gesunden und artgerechten Futter ohne künstliche Zusatzstoffe, Zucker oder Weizen. Da gibt es leider nur sehr wenige Alternativen – BARF oder hochwertige Nassnahrung. Mit Trockenfutter kann dies meines Erachtens nach nicht gewährlistet werden. Man kann dies jedoch sehr schnell feststellen. Ich empfehle eine Futterumstellung für 8-12 Wochen bei gleichzeitigem Training und in den allermeisten Fällen ist damit die Verhaltensauffälligkeit beseitigt.

Es kommt natürlich auf die Problematik an. Bei Aggressivität sollte natürlich die Ursache geklärt werden. Bei territorialer oder statusorientierter Aggression kann es z.B. helfen den Proteinwert des Futters zu überprüfen und ggf. herab zu setzten und über Zusätze wie Tryptophan zu arbeiten.
Was im Einzelfall notwendig ist, zeigt eine ausführliche Anamnese und auch Kooperation mit dem Hundetrainer und dem Hundebesitzer.

Körperliche Ursachen

Die Ernährung ist für mich persönlich die Basis der Gesundheit bzw. Gesunderhaltung und sollte daher gesund und artgerecht sein. Doch in manchen Fällen hat auch die optimalste Ernährung keinen Einfluss auf Verhaltensauffälligkeiten, da die Ursache im Körper selbst zu suchen ist.
Oftmals ist die Schilddrüse der Übeltäter. Bei Hunden kommt meistens die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zum Tragen. Wichtig ist dabei auch den nach dem Jodwert zu schauen, da eine Unterfunktion auch eine Folge eines Jodmangels sein kann.

Auch im Falle der Schilddrüse muss die Ernährung angeschaut werden, denn wird bei gebarften Hunden viel Gugel/Schlund gefüttert, ist es möglich, dass die Schilddrüse des Schlachttieres nicht restlos entfernt wurde. Dies kommt bei einen hochwertigen Nassfutter nicht vor, da das Schilddrüsenhormone des Schlachttieres offensichtlich nicht thermoresistent sind und durch den Herstellungsprozess unschädlich gemacht werden.

Es gibt aber auch noch andere Hormone, die zu Hyperaktivität oder Aggression führen können. Hier sind die Sexualhormone beteiligt. Denn ein intakter Rüde oder Hündin (unkastriert) kann gerne mal ein Sklave der eigenen Hormone werden. Dies kann zu einem gesteigerten Sexdualtrieb oder Aggressionen führen, was beides die Kommunikation mit dem Hund im Training massiv stört. Wenn ein Tier nur die Fortpflanzung im Sinn hat, wird es nicht offen sein für die Erziehungsversuche seines Besitzers.

Je nach Stand des Zyklus einer intakten Hündin kann es zu Aggressivem Verhalten gegenüber Artgenossen kommen. Ob das nun im Rahmen des normalen Zyklus liegt oder eine Entgleisung der Sexualhormone vorliegt, muss diagnostisch abgeklärt werden.

Nicht nur die Hormone, auch organische Ursachen können für ein verändertes Verhalten sorgen. Genauso auch Tumore. Bei aggressiven Verhalten, das plötzlich auftaucht, können veränderte Leberwerte oder auch mal ein Hirntumor verantwortlich sein. Doch keine Sorge, wir wollen nicht gleich den Teufel an die Wand malen, denn die Wahrscheinlichkeit ist gering.

Was auch immer die Ursache ist, Sie sollten Verhaltensauffälligkeiten und Probleme im Umgang mit Ihrem Hund nicht auf die leichte Schulter nehmen und frühzeitig Fachleute zu Rate ziehe!